Die folgenden Tage verbrachten wir mit der Einordnung unserer Gedanken und mit den Eindrücken und Erfahrungen unserer ersten Reise zum afrikanischen Kontinent. Eine Wiederkehr schien uns durchaus im Rahmen des Möglichen zu sein...
Mit diesen Zeilen beendete ich meinen Bericht über unsere Reise nach Ägypten im Mai 1997. Zu dieser Zeit war es kaum vorstellbar, dass sich eine zweite Reise nach Afrika so schnell realisieren würde. Ursprünglich hatten wir Pläne geschmiedet, den tristen mitteleuropäischen Herbst mit der Sonne Südkaliforniens zu tauschen. Im Sommer 1998 waren wir zur Hochzeit meiner Nichte in Laguna Beach, südlich von Los Angeles, gewesen. Da Stephanie und ihr Mann, Mark Grinis, für mehr als ein Jahr aus beruflichen Gründen in Tokio weilten, boten sie uns großzügigerweise an, ihr unbewohntes Haus für ein paar Wochen zu beleben. Das Haus liegt oben auf den Hügeln von Laguna Beach und bietet ein atemberaubendes Panorama von der Küste und dem dahinter liegenden Pazifischen Ozean. Bis zum schicksalsträchtigen Abend Anfang August 2000, als wir Elke Sallinger, meine Schwägerin, und Ulli Michel, ihren Lebensgefährten, zum Abendessen trafen, dachten wir an kein anderes Ziel als die Strände des sonnigen Südkaliforniens.
Sie teilten uns während eines Essens in einem unserer Lieblingslokale in der Münchner Innenstadt mit, dass sie eine Reise nach Südafrika und Namibia planen. Ulli lebte während der Achtziger etwa drei Jahre als Fotograf für Reuters in Johannesburg und Kapstadt und lechzte danach, dieses Gebiet noch einmal zu besuchen. Er erzählte uns von seinen Abenteuern während dieser Zeit und schwärmte von der natürlichen Schönheit beider Länder. Nach dem zweiten oder dritten Bier fragten sie uns spontan, ob wir nicht mitkommen würden. Wir sagten beide, dass das Ganze wohl sehr verlockend klinge und dass wir bald eine Entscheidung fällen würden. Bereits am nächsten Tag akzeptierten wir die Einladung und stürzten uns in die Vorbereitungen für unsere große Abenteuerreise.
Wegen der relativ knapp bemessenen Zeit bis zur geplanten Abreise (ca. 20. Oktober), war die nächsten drei Wochen die Hektik unser ständiger Begleiter. Unsere Hauptziele waren der Transport nach und zurück von Südafrika (Flüge), Mobilität vor Ort (Mietautos), und ein Dach über unseren Köpfen (Unterkünfte). Ich finge sofort an, im Internet zu recherchieren, was das Reisen heutzutage zu einem völlig anderen Erlebnis werden lässt als vor zehn Jahren.
Eine meiner Prioritäten war es, einen Sitzplatz am Notausgang des Fliegers zu ergattern. Da ich 2,05 Meter messe, sollten meine Gründe hierfür allen verständlich sein. Die Mitarbeiterin im Reisebüro erklärte mir, dass diese Sitze nicht vorbelegt werden können, weil sie die Fluggesellschaft (LTU) erst beim Check-In vergibt. Da ich täglich mit PCs und dem Internet zu tun habe, fand ich es ein wenig merkwürdig, dass eine Fluggesellschaft im Computerzeitalter eine Sitzplatzreservierung nicht vornehmen könne oder nicht vornehmen wolle. Daraufhin rief ich bei der Fluggesellschaft an und schilderte Ihnen mein Problem. Ihre Reaktion war nahezu identisch mit der des Reisebüros, aber sie teilten mir mit, dass es grundsätzlich ein "Night Check-In" am Abend vor dem Abflug gibt, und dieser müsste sicherlich zum ersehnten Resultat führen.
Da wir nur etwa 25 bis 30 Minuten entfernt vom Flughafen wohnen, folgten wir diesem Rat und waren Punkt 18:00 Uhr unter den ersten Fluggästen, die diesen Service in den Abendstunden vor dem Flug in Anspruch nahmen. Nach wenigen Minuten - es waren höchstens 3 oder 4 Personen vor mir in der Warteschlange - trat ich optimistisch an die Theke und äußerte meinen Wünsch für einen Notausgangssitzplatz. Prompt wurde ich informiert, dass alle diese Sitzplätze "blockiert" seien. Meine Gesprächspartnerin teilte mir mit, dass sie völlig ratlos sei und überhaupt nicht verstehe, warum diese Plätze bereits vergeben seien. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich musste einen normalen Sitzplatz für den elfstündigen Flug nach Kapstadt akzeptieren. Die Dame schlug allerdings vor, dass ich mich sofort nach der Landung in Kapstadt ins Büro der Fluggesellschaft begeben sollte, um wenigstens für den Rückflug einen entsprechenden Sitzplatz reservieren zu können. Nach dieser kurzen und vergeblichen Diskussion ergab ich mich meinem Schicksal und wir fuhren ziemlich enttäuscht und verwirrt nach Hause.
Wir waren uns einig, dass dieses Negativbeispiel an Kundenfreundlichkeit unsere Euphorie nicht mindern sollte. Wir freuten uns auf den kommenden Tag sowie auf unsere Rückkehr zum afrikanischen Kontinent.